Wohnen in Deutschland, arbeiten in der Schweiz

Wer als Grenzgänger gilt

Der Status hängt an zwei Dingen: Wohnsitz in Deutschland und Arbeit in der Schweiz — und daran, dass man regelmässig nach Hause zurückkehrt.

Welche Bewilligung wird gebraucht?

Die Grenzgängerbewilligung G. Sie wird über den Schweizer Arbeitgeber bei der Migrationsbehörde des Arbeitskantons beantragt und ist an das Arbeitsverhältnis gebunden.

Was heisst „regelmässige Rückkehr“?

Steuerlich entscheidend ist, an wie vielen Tagen man aus beruflichen Gründen nicht an den Wohnsitz zurückkehrt. Ab mehr als 60 solcher Tage im Kalenderjahr entfällt der Grenzgängerstatus.

Quelle: Finanzämter Baden-Württemberg

Steuern: beide Länder, aber nicht doppelt

Der Arbeitslohn wird grundsätzlich in Deutschland besteuert. Die Schweiz behält trotzdem einen Anteil ein — der wird in Deutschland angerechnet.

Wie viel behält die Schweiz ein?

4,5 Prozent des Bruttolohns als Quellensteuer. Dieser Betrag wird bei der deutschen Einkommensteuer angerechnet, es entsteht also keine Doppelbesteuerung.

Was ist die Ansässigkeitsbescheinigung?

Die Formulare Gre-1 und Gre-2 werden vom deutschen Finanzamt ausgestellt und dem Schweizer Arbeitgeber vorgelegt. Erst dadurch bleibt der Abzug bei 4,5 Prozent; ohne sie wird nach dem gewöhnlichen Schweizer Tarif abgerechnet, also deutlich mehr.

Was passiert bei mehr als 60 Nichtrückkehrtagen?

Dann entfällt der Grenzgängerstatus, und das Besteuerungsrecht verschiebt sich. Wer absehbar darüber liegt, sollte das früh mit Finanzamt und Arbeitgeber klären — die Wirkung tritt rückwirkend fürs ganze Jahr ein.

Muss man in Deutschland eine Steuererklärung abgeben?

Ja. Der Schweizer Lohn ist in der deutschen Einkommensteuererklärung anzugeben; die einbehaltene Quellensteuer wird dort angerechnet.

Quelle: Finanzämter Baden-Württemberg

Krankenversicherung: eine Entscheidung mit Frist

Hier liegt die folgenreichste Weichenstellung — und sie hat eine kurze Frist. Wer sie verstreichen lässt, ist in der Schweiz versicherungspflichtig.

Was gilt zuerst?

Das Erwerbsortsprinzip: Wer in der Schweiz arbeitet, muss dort eine Krankenversicherung nach KVG abschliessen.

Was ist das Optionsrecht?

Deutschland gehört zu den Nachbarstaaten mit Sondervereinbarung. Man kann sich von der Schweizer Versicherungspflicht befreien lassen und sich stattdessen in Deutschland versichern — gesetzlich oder privat.

Welche Frist gilt?

Drei Monate ab Beginn der Erwerbstätigkeit. Innerhalb dieser Frist muss ein förmliches Befreiungsgesuch bei der zuständigen Stelle des Arbeitskantons eingereicht werden.

Reicht es, sich einfach in Deutschland zu versichern?

Nein. Das Bundesgericht hat 2015 entschieden, dass eine stillschweigende Ausübung des Optionsrechts nicht rechtsgültig ist. Es braucht das förmliche Gesuch.

Was gilt für Familienangehörige?

Nicht erwerbstätige Familienangehörige unterliegen denselben Regeln wie die grenzgängerische Person selbst.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Sozialversicherung und Homeoffice

Die Sozialversicherung folgt grundsätzlich dem Arbeitsort — also der Schweiz. Beim Homeoffice wird es unübersichtlich, weil Steuer- und Sozialrecht verschiedenen Logiken folgen.

Wo ist man sozialversichert?

Grundsätzlich in der Schweiz, wo auch gearbeitet wird — also AHV, IV und Arbeitslosenversicherung nach Schweizer Recht.

Wie viel Homeoffice ist möglich?

Für die Sozialversicherung erlaubt ein europäisches Rahmenabkommen seit dem 1. Juli 2023 bis zu 49,9 Prozent Telearbeit im Wohnstaat, ohne dass die Zuständigkeit wechselt.

Und steuerlich?

Steuerlich gilt eine andere Logik als sozialversicherungsrechtlich; massgeblich sind die Nichtrückkehrtage. Wie Homeoffice-Tage dabei genau zählen, konnten wir nicht abschliessend aus amtlicher Quelle klären. Wer regelmässig zu Hause arbeitet, sollte das mit dem Finanzamt besprechen — hier hängt der Status daran.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG) — Übersicht Grenzgänger

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